
Nicht alles zu wissen ist Schillers Forderung sondern „wage zu wissen!“. Wissen wird so zum Risiko, dem sich der Mensch stellt. Er kann es so nicht sammeln, er muss sich ihm aussetzen. Wenn der Schauspieler sich dem Text des Dichters ausliefert, ihn in sich aufnimmt, ihn nach Schiller „vertilgt“, setzt er sich einer Lebens- und Handlungsweise aus, die ihm zuvor fremd, womöglich sogar verachtenswert war.
Die Art und Weise, wie dies zu leisten ist, hat Schauspieler und Schauspiellehrer, Regisseure und Dramatiker seit den Ursprungszeiten des Theaters beschäftigt. Wie wird etwas wirklich, das als Text nur Fiktion ist? Wie wird es wahrhaftig und bleibt nicht bloß leere Behauptung? (weiterlesen …)

Jugendliche und Bewohner des Jungbusch stellen in szenischer Form eine Verbindung her zwischen ihrer heutigen Lebenswelt und den klassischen Schiller’schen Themen wie Recht und Ungerechtigkeit, Freiheit und Gefangensein, Widerspruch zwischen Idealen und Wirklichkeit, Anmut und Würde, Vernunft und Unvernunft. Gespielt wird open-air auf den Straßen und Plätzen des Stadtteils. So werden Originalschauplätze des Jungbusch zu theatralen Handlungsräumen. Die Grenzen zwischen Darstellung und Wirklichkeit werden aufgelöst. Es werden Brücken geschlagen zwischen gestern und heute, Klassik und Moderne, deutsch und nicht-deutsch, Schein und Realität.
„Der Tag ist gekommen,
Es öffnet sich der Schacht, der in den Abgrund führt und Rauch steigt auf.
Aus dem Rauch kommen Heuschrecken über die Erde.
Wehe! Wehe! Wehe den Bewohnern der Erde!”
„Was ist der Mensch? Was ist das Glück der Erde?“
Elisabeth, die Antagonistin Maria Stuarts, ist am Tag des Jüngsten Gerichts aufgerufen sich mit ihrem Lebenswerk auseinanderzusetzen, sich zu verantworten. (weiterlesen …)
Schiller kam auf der Suche nach einer künstlerischen Heimat in Mannheim an. Wir sind zugereiste Künstler und begeben uns 2009 auf die Suche nach dem Moment zwischen hoffnungsvollem Kommen und suchendem Bleiben oder enttäuschtem Gehen. Eine Suche durch Bewegung, Wort, Foto, Film an potentiell unentdeckten Kunstheimatorten und in Schillertexten.Uns interessiert der Außenblick auf die zukünftige Kulturhauptstadt Mannheim. Der andere Fokus liegt auf der Innenansicht des jungen Schiller konfrontiert mit Bürokratie und Geldnot und dem Bedürfnis nur noch für die Kunst und von der Kunst leben zu wollen. (weiterlesen …)
Talkshow mit dem V-Effekt
V steht für „Verbindung“. Getreu Schillers Maxime, dass der Mensch sich nur als Spielender ganzheitlich fühle, werden an diesem Abend „eine öffentliche Person“ und „das Publikum“ miteinander zum Spielen gebracht, so dass aus „Funktion“ und „Masse“ Menschen hervortreten können. Schauspiel, Musik und Figurentheater sind die Zündhölzer, die das Feuer des Lebendig-Seins entfachen.
Schiller zufolge sollte man, um ganz Mensch zu sein, sein Leben wie ein Spiel angehen. Einem Leben, in dem das spielerische Element zu kurz kam, begegnete René Arnold in der Papiermülltonne im Hof seiner Wohnung. Dort lag der Nachlass seines früheren Nachbarn Harry L. Weil es Arnold grob vorkam, diese Hinterlassenschaften von der Müllabfuhr holen zu lassen, nahm er seinen Fund aus der Tonne und sichtete ihn. Photos, Papiere und Bücher erzählten aus einer Biographie, die in einer immer gleichen, unspektakulären Schleife verlief.
Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum?
In dieser Produktion suchen wir nach der Antwort auf die Frage, was ist der Mensch, wenn er arbeitet? Denn laut Schiller ist er nur dort ganz Mensch wo er spielt. Sind wir im Schillerschen Sinne überhaupt Menschen, wenn wir arbeiten? Wenn Arbeit über ihre Funktion als Existenzsicherung hinaus als Grund der sozialen Anerkennung und der Definition des eigenen Wertes dient – was bin ich ohne Arbeit wert?
Wir bringen das Spiel in die Arbeit! (weiterlesen …)
Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre, ich will sie geltend machen. – Warum mußte sie mir diese Bürde von Häßlichkeit aufladen? gerade mir? Wirklich, ich glaube, sie hat von allen Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen und mich daraus gebacken. Mord und Tod! Franz Moor in DIE RÄUBER Schillers Franz Moor besucht in der Nacht seinen Dichter, weil er so schön sein will wie Bruder Karl; denn ist sein Schöpfer Friedrich, der Verursacher seines schrecklichen Aussehens, nicht eigentlich ein studierter Arzt? (weiterlesen …)