| 20. Juni 2009 | ||
| 21:00 |
Nicht alles zu wissen ist Schillers Forderung sondern „wage zu wissen!“. Wissen wird so zum Risiko, dem sich der Mensch stellt. Er kann es so nicht sammeln, er muss sich ihm aussetzen. Wenn der Schauspieler sich dem Text des Dichters ausliefert, ihn in sich aufnimmt, ihn nach Schiller „vertilgt“, setzt er sich einer Lebens- und Handlungsweise aus, die ihm zuvor fremd, womöglich sogar verachtenswert war.
Die Art und Weise, wie dies zu leisten ist, hat Schauspieler und Schauspiellehrer, Regisseure und Dramatiker seit den Ursprungszeiten des Theaters beschäftigt. Wie wird etwas wirklich, das als Text nur Fiktion ist? Wie wird es wahrhaftig und bleibt nicht bloß leere Behauptung?Die Form vertilgt den Stoff – Kabale/Liebe/Fetzen ist ein Theaterprojekt, das einzelne Szenen aus Kabale und Liebe mit heterogenen Methoden schauspielerischer Umsetzung konfrontiert. Jenseits strenger, zensierender Historisierung oder willkürlicher Aktualisierung wird nach Darstellungsweisen gesucht, die Schillers Texte zur Sprache und zum Sprechen bringen.
Der Zuschauer wird Teilnehmer eines Prozesses, der zum Spiel mit dem Text, zur Erprobung der Figuren in ihren Text-Hüllen und Situationen herausfordert. Er kann verfolgen, wie wandlungsfähig Text und szenischer Entwurf sind, wenn der Schauspieler die Freiheit hat, das Konzept zu „vergessen“, sich allein dem Text und seinen Handlungssträngen auszuliefern. Wenn er ganz „bei sich“ ist, ohne die Figur selbst zu sein. Sie stattdessen zu spielen, in einem Spiel das offen ist, weil es unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten enthält.
Felina-Theater
20.06. (Premiere), 21:00 Uhr & 25.06.2009, 20:30 Uhr, ca. 110 Minuten
Konzept/Inszenierung/Ausstattung: Hubert Habig, Andreas Manz
Mit: Monika Gossman, Yvonne Puseljic – Andreas Krüger, Ulrich Lenk, Nicolas Menze
Eine Kooperation mit der Theaterakademie Mannheim