SCHWINDELFREI 3 im November 2012

Plündert die Brachen! Ausschreibungsfrist für 2012 beginnt!

Ausschreibungstext und Bedingungen zum download:  Ausschreibung_schwindelfrei_2012

Bewerbungsbogen_Schwindelfrei_2012

Ergänzung Bewerbungsformular SCHWINDELFREI 2012

Kalkulation_Schwindelfrei_2012

Das biennale Produktionsfestival schwindelfrei  richtet sich 2012 erstmals auch an KünstlerInnen aus der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar. Ziel des vom Kulturamt der Stadt Mannheim veranstalteten Festivals ist es, die regionale Szene auf einer spannenden Plattform zu präsentieren, und zeitgenössische Neuproduktionen zu initiieren. schwindelfrei möchte Anreiz zu neuen Ästhetiken und Arbeitsweisen geben, Kommunikationsplattform und Netzwerk der Szene selbst sein und neue ZuschauerInnen für die freien Darstellenden Künste begeistern.

„schwindelfrei ist ein wichtiger Bestandteil unserer Förder- und Entwicklungsstrategie für die Freien Theater. Das Festival bietet der Freien Theaterszene einen Anreiz, sich zu einem gemeinsamen Thema zu präsentieren. Mit schwindelfrei können wir die Lebendigkeit, Qualität und Vielfalt der Freien Theaterszene zeigen, neue Publikumskreise erschließen und überregional auf unsere Szene aufmerksam machen,“ erläutert Kulturbürgermeister Michael Grötsch die Bedeutung des Festivals für die Mannheimer Kulturlandschaft.

Als Impulsgeber für die regionale Szene verstehen sich auch die Kuratoren des kommenden Festivals Martin Baasch und Phillip Koban. Beide verbindet neben ihrer Erfahrung im Sprech- und Tanztheater die künstlerische und organisatorische Tätigkeit am Mousonturm Frankfurt für das ebenfalls produzierende, experimentelle Festival Plateaux.

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses junge Kuratorenteam gewinnen konnten,“ sagt Sabine Schirra, Leiterin des Kulturamts der Stadt Mannheim. „Beide haben bereits Einblick in die regionale Szene gehabt, bringen ergänzend zu dieser Regionalkenntnis kreative und ästhetische Anspruchshaltungen mit, mit denen sie das Festival weiterentwickeln werden. Von ihrer hervorragende Vernetzung im nationalen und internationalen Kontext erwarten wir Synergieeffekte für die regionale Szene.“

Der thematische Zugriff 2012

Das Produktionsfestival schwindelfrei steht 2012 unter dem Motto `Plündert die Brachen!´ und versteht sich als Aufruf zur künstlerischen Auseinandersetzung mit Leerstellen, Zurückgelassenem, Überresten und nicht definierten Orten. Brachen sind temporär verlassene Orte, die vielleicht vor gar nicht langer Zeit eine klare Funktion hatten, Teil einer urbanen Struktur waren, Teil einer Gemeinschaft, Teil eines größeren Ganzen. Brachen sind Plätze im Stillstand, Orte und Momente des Nicht-Mehr und Noch-Nicht. Einerseits definiert durch das, was dort einmal stattgefunden hat, andererseits ausgerichtet auf eine noch nicht klar zufassende Zukunft.

Aber was soll man plündern in einer Brache, zwischen wildwüchsigen Pflanzen und nicht mehr genutzten Gebäuden? Was sich aneignen an einem Ort der verlassen und unbestimmt ist, der „brach“ liegt? schwindelfrei 2012 will da suchen, wo es scheinbar nichts zu suchen gibt. Mannheim und große Teile der Metropolregion sind geprägt von den urbanen und ökonomischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Ganze Straßenzüge scheinen leer zu stehen, wo andernorts hektischer Bauboom herrscht und mit dem kontinuierlich erfolgenden Abzug der Militärkräfte ist die Frage der Nutzung von Brachflächen nur noch brisanter.

Nährboden vitaler Kulturlandschaft

Anders verstanden bildet die Brache in der Dreifelderwirtschaft etwa die fruchtbare Basis einer Kulturlandschaft, sorgt für neue Energien und Nährstoffe, ohne die der Ertrag der Felder schrumpft und Pflanzen verkümmern. Diese wichtige Funktion als Impulsgeber, Keimzelle und Experimentierfeld Darstellender Künste jenseits der allseits wahrgenommen Massen- oder Hochkultur hat die Freie Szene inne. schwindelfrei 2012 möchte das Augenmerk der Bevölkerung der Metropolregion auf Vitalität und Reichtum der Szene lenken, Ungewohntes und Unvermutetes entdecken lassen und somit eine Plattform des Austauschs von KünstlerInnen und (neuen) Publikumskreisen sein.

Kreative und innovative Spurensuche

schwindelfrei 2012 fordert KünstlerInnen und Künstlergruppen aus der Metropolregion Rhein-Neckar auf dem nachzuspüren, was brachliegt. Gefragt sind künstlerische Projekte aus den Bereichen Theater, Performance und Tanz im weitesten Sinne, was ausdrücklich spartenübergreifendes Arbeiten und orts- sowie projektspezifische Formate einschließt. Die eingereichten Projekte sollten Bezug zum genannten Thema und nach Möglichkeit zur Region haben. „Brachen“, die es zu „plündern“ gilt, können vom realen Ort bis zum fiktiven Stadtarchiv, vom Zettelkasten bis zum vergessenen Theatertext, von der konkreten sozialen Situation eines Viertels bis zur wieder entdeckten Geschichte eines Gebäudes und zur utopischen Verlängerung dieser Geschichten reichen. „Brachen“ kann aber auch im übertragenen Sinne als Periode des Übergangs, des Wandels und der Grenzüberschreitung verstanden werden.

Die Projekte können sich also mit konkreten, geografischen Räume und Orten beschäftigen und die gefunden Spuren kreativ aus- und bewerten. Sie können als ortsspezifische Aufführungen und interaktive Installationen auch auf selbst Brachen stattfinden, was aber keineswegs ein Muss ist! Ein Beispiel einer konkreten Brache zur künstlerischen Auseinandersetzung wäre der mittlerweile abgerissene Palast der Republik in Berlin, dessen einstiger Standort auf seine Bebauung mit dem wiedererrichteten Stadtschloss wartet. Denkbar ist aber genauso gut die Auseinandersetzung mit einer gesellschaftlichen oder persönlichen Lebenssituation des Umbruchs und Brachliegens, mit ihrem Umstand und Potential. Etwa der nationalen Situation eines Landes im Umbruch zwischen Vergangenheit und Zukunft im Zuge des „arabischen Frühlings“, der liminalen Erfahrung eines Wachkomapatienten oder gar der Identitätsproblematik bezüglich Fragen der doppelten Staatsbürgerschaft.

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